Ordis Tube Blog


Alte Dame trifft neuen Amp
14. April 2011, 20:48
Einsortiert unter: Tube Stuff

Um was wird es wohl gehen? Um meine neue Gitarre :)

Also, es ist eine Hohner Professional L-75, Baujahr unbekannt, dürfte aber schon länger her sein. Gekauft habe ich sie in einem Gitarrengeschäft in Wien, das speziell auf alte Gitarren spezialisiert ist.

Vollansicht

Optik:

An der Optik ist ganz grundsätzlich nichts zu bemängeln, aber eines ist anzumerken. Bei meiner Hohner wurde der Plek-Schutz entfernt, was mich persönlich freut, denn diese Platte hat mich schon immer bei LPs gestört. Body Daher sind auch zwei Löcher noch vorhanden, in denen früher mal die Schrauben für die Plek-Schutz steckten. Man sieht sie aber erst bei genauerem hinsehen, deswegen ist mir diese kleine Unregelmäßigkeit vollkommen egal. Besonders gut gefällt mir die Rückseite der Gitarre, denn dort kommt das dunkle Holz mit der gleichmäßigen Maserung voll zu Geltung. Schade, dass man die Rückseite nicht oft sieht… komisch.
Natürlich zeigen bei einer solch alten Gitarre auch die Gebrauchsspuren am Lack und an den Mechaniken, aber glücklicherweise sind die meisten Gebrauchsspuren am Lack auf den Außenseiten des Korpus, dort wo manchmal der Gürtel scheuert oder anders den Lack angreift, sodass man sie von vorne nicht sieht.
Ein Detail ist komisch. Eigentlich müsste diese Gitarre auf einem weißen Kunststoffteil das am Gitarrenkopf gleich nach dem Steg angebracht ist eine Typenbezeichnung, also L-75, tragen. Wie dieses Bild zeigt, ist ein schwarzes Kunststoffteil an dessen Stelle vorhanden.
Gitarrenkopf

Daten:

Einfach alles typisch Paula…

Spielverhalten:

Wie man an diesen Fotos sehen kann, ist die Saitenlage recht tief (Foto1, Foto2, Foto3),
sehr leicht zu spielen, was durch die niedrigen Bünde noch positiv verstärkt wird. Die Bünde fühlen sich aber nicht abgespielt an, sondern waren eher schon bei der Produktion so niedrig. Die Rundung des Griffbrettes ist für mich sehr angenehm. Man kann sowohl schnell Läufe als auch komplizierte Akkorde angenehm greifen, ohne dass die Hand mit der Zeit schmerzt. Darüber hinaus kann man die Saitenlage ganz einfach manuell einstellen, indem man die Steghöhe durch die zwei Schrauben verändert. Ganz allgemein dürfte diese Gitarre auch für Einsteiger mit schwachen Händen bestens geeignet sein. Trotzdem darf man die niedrigen Bünde nicht unterschätzen. Der Ton kommt sehr schnell voll zur Geltung und auch Fingertapping oder andere Fingerspielerein gehen sehr leicht von der Hand.

Sound:

Jetzt kommt der schwierigste Teil, denn Klang in Worte zu fassen ist immer schwierig. Was mich sehr gefreut hat, war, dass der Ton sehr direkt aber trotzdem noch weich kommt. Über den Sustain habe ich mehr ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht, ich würde einmal sagen, dass der Sustain gut zu meiner Spielweise passt. Die Pickups klingen sehr fett, sehr nach Humbuckern, aber der Hohner Pick-Up ist mir im cleanen etwas zu undifferenziert. Er produziert nicht die durchsetzungsfähigen Höhen, die ich mir von einem Bridge Pick-Up erwartet hätte sondern verwischt etwas. Aber im fetten Brett spielt er seine Stärken aus und hätte mich fast weggeblasen… habe den Amp zurückdrehen müssen. Der Seymour Ducan gefällt mir hingegen im cleanen sehr sehr gut, klingt sehr geil, keinesfalls so wie eine Strat, sondern etwas weicher mit weniger Höhen. Eines haben beide Pick-Ups gemeinsam, der Bass ist sehr stark. Ich weiß nicht, ob das am Holz oder an den Pick-Ups oder an der Hardware liegt, aber im Vergleich zu meinen Abnehmern auf der Epiphone The Dot ist der Bass sehr fett, ohne undifferenziert oder matschig zu wirken. Deswegen sind dropped-D Riffs unglaublich fett! Gefällt mir sehr gut, aber richtig toll wäre eine Bassabsenkung auf der Gitarre statt einer Höhenabsenkung, denn den Seymour Ducan hat eine angenehme Betonung der Höhen, so dass ich diese wahrscheinlich nie drosseln werde.

Die Gitarre fühlt sich bei fast jedem Sound wohl, aber bei High Gain Sounds muss man aufpassen, weil die Saiten die Neigung haben von alleine eine Harmonische zu erzeugen, die dann schon nach einem Flageolettton klingt. Deswegen gehen auch künstliche und natürliche Flageoletttöne unglaublich leicht von der Hand und können ohne großen Aufwand jedes Solo bereichern.

Anmerkungen:

Da es eine recht alte Dame ist, muss sie ein bisschen restauriert werden, denn die Potis sind ziemlich hinüber (kratzen und laufen unrund) und die zwei Tone-Kondensatoren sehen auch schon recht mitgenommen aus. Deswegen will ich die Potis tauschen. Unten sind einige Bilder. So richtig gut sieht das nicht aus. Hier sehe ich Handlungsbedarf.

Hier ein paar Bilder:

Weiter Bilder:

mfg ordi


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